Stoffe & Materialien – was steckt eigentlich in unserer Kleidung?

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Seitdem ich mich mehr mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz beschäftige, wird das Thema Inhaltsstoffe und Herstellung immer wichtiger für mich. Vor allem beim Thema Kleidung frage ich mich, wieviel Chemie wirklich in meiner neuen Lieblingshose steckt. Denn alles, was wir zu uns nehmen oder an uns tragen, wird in irgendeiner Form von unserem Körper aufgenommen, weiterverarbeitet oder gespeichert. Und nicht nur das! Wusstet ihr, dass bestimmte Stoffe beim Waschen unserer Kleidung regelmäßig Mikroplastiken ins Abwasser spülen? Höchste Zeit, dass wir uns mehr mit den Stoffen unserer Kleidungsstücke auseinandersetzen!

Naturfasern versus chemische Fasern

Grundsätzlich unterscheidet man Stoffe aus Naturfasern und aus chemische Fasern. Naturfasern können entweder aus pflanzlichem Ursprung sein wie Baumwolle oder Leinen. Sie können aber auch aus tierischen Produkten hergestellt werden wie Wolle oder Kaschmir, Angora sowie Seide. Die chemischen Fasern werden – wie der Name schon sagt – mittels Chemie produziert. Hier unterscheidet man zwischen zellulosischen Fasern, die aus Pflanzen hergestellt werden (wie Viskose oder Modal), und den synthetischen Fasern, die aus Erdöl, Erdgas oder Kohle mittels chemischen Prozessen entwickelt werden. Dazu gehören Polyester, Elasthan, Polyamid und Polyacryl. Die wichtigsten Stoffe findet ihr jetzt im Detail.

Baumwolle – Everybody’s Darling

Der beliebteste Stoff bei uns ist die Baumwolle. Gerade im Sommer lieben wir sie für das leichte Tragegefühl und den niedrigen “Schwitzfaktor”. Auch Allergiker kommen super mit ihr zurecht.

Die Produktion der Baumwolle birgt jedoch einige Probleme. Zum einen hat sie einen extrem hohen Wasserverbrauch, 1 T-Shirt benötigt über 440 Liter Wasser. Zusätzlich werden sehr viele Chemikalen auf den Feldern versprüht, die nur teilweise vor dem Tragen ausgewaschen werden können. Hinzu kommen die menschlichen Dramen, die der Anbau von Baumwolle mit sich bringt. Vor allem Familien in Indien verschulden sich hoch, um das Saatgut finanzieren zu können. Kinderarbeit ist an der Tagesordnung.

Ein Ausweg ist die Fairtrade Bio-Baumwolle. Sie benötigt deutlich weniger Wasser als ihre genetisch manipulierte Schwester und Chemikalien auf den Feldern sind tabu. Die Bauern werden mit einem angemessenen Preis bezahlt, sodass ihre Kinder nicht auf den Feldern arbeiten müssen. Leider ist der Anteil der Bio-Baumwolle immer noch sehr gering und sie ist schwer zu finden. Ihr erkennt sie daran, dass “Bio-Baumwolle” auf dem Etikett steht und das Kleidungsstück ein Fairtrade-Siegel trägt. Eine weitere Alternative zur normalen Baumwolle ist die Lenpur Viskose, die ich euch weiter unten genauer vorstelle.

Baumwollstoffe werden auch gerne verarbeitet bzw. “veredelt”. Eine Herstellungsart ist die mercerisierte Baumwolle oder auch Perlenbaumwolle. Dabei behandelt man die Baumwolle chemisch meist in einem Natronbad, um ihr mehr Glanz zu verleihen und sie besser färbbar zu machen. Auch der für Hemden oder Schlafanzüge bekannte Flanellstoff ist Baumwolle, die mit chemischen Stoffen behandelt wurde. Dabei werden die Fasern angerauht, damit sie die Wärme besser beibehalten. Die chemischen Stoffen kann man zwar größtenteils auswaschen, aber vor allem die Allergiker unter uns müssen damit aufpassen.

Wolle, Kaschmir und Angora – Kuschelstoff Nr. 1

Unser Kuschelstoff Nr. 1 ist die Wolle. Meist sind darin die Haare von Schafen verarbeitet. Tierische Lieferanten können aber auch Alpakas, Angorakaninchen, Merinoschafe, Kaschmirziegen oder Angoraziegen (Mohair) sein. Die Fasern sind deutlich gröber als bei der Baumwolle, sodass der Stoff wärmer und kuscheliger wird – aber teilweise auch gerne mal kratzt. Die Wolle von Alpakas ist vor allem gut für Allergiker geeignet.

Möchte man nur Kleidung aus Wolle von lebenden Tieren, muss man zur Schurwolle greifen. Ansonsten kann es sein, dass die Wolle aus recycelten Alttextilien (Reißwolle), aber auch von geschlachteten oder verendeten Tieren gewonnen wurde. Schurwolle kann man entweder an den Bezeichnungen “Schurwolle” oder “Reine Schurwolle” erkennen sowie am Wollsiegel.

Leider wird Wolle auch immer mehr chemisch behandelt, sodass man hier genau hinsehen sollte. Bio, Öko und Natur sind keine geschützten Begriffe und können daher von jedem verwendet werden. Auch der Tierschutz ist bei Wolle ein großes Thema. Empfehlenswert ist daher die Bio-Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT). Für alle, die sich hier genauer einlesen möchten, hier ein Artikel über nachhaltige Wolle auf Utopia.

Seide – 100% Luxus, oder etwa nicht?

Seide ist einer der teuersten und edelsten Stoffe. Ursprung sind die Kokons der Seidenraupe, die mehr als 1000m lange Seidenfäden liefern. Seide fühlt sich einfach immer toll auf der Haut an, weil sie ein paar tolle Eigenschaften hat. Im Sommer kühlt sie angenehm, im Winter wärmt sie. Sie gibt Feuchtigkeit gut nach außen ab und hat eine tolle glatte und glänzende Oberfläche.

Doch leider hat die Seide auch ihre Schattenseiten. Für die Gewinnung der Fäden werden Raupen in ihren Kokons durch Heißdampf oder kochendes Wasser getötet.

Wer etwas Gutes für den Tierschutz leisten möchte, sollte besser zur Bio-Seide aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) greifen. Eine andere Alternative, die man besser in den Geschäften finden kann, ist die Wildseide. Sie wird aus den Kokons wildlebender Eichenspinner oder Tussahspinnern gewonnen, die nach dem Schlüpfen der Schmetterlinge eingesammelt werden. Sie wird auch als vegetarische Seide bezeichnet, weil keine Raupen sterben müssen. Wildseide ist zwar ein weniger gröber, gibt aber dem Stoff einen – meiner Meinung nach – tollen, natürlichen Look.

Viskose

Kommen wir zu den Kunstfasern. Die Natürlichste unter ihnen ist die Viskose, die mittels eines chemischen Verfahrens aus Zellulose, also aus Holz oder Bambus, hergestellt wird. Alle Viskosefasern können sehr gut Feuchtigkeit aufnehmen, sind sehr angenehm zu tragen und einfach zu bügeln. Sie fällt weich und fließend, sodass man sie auch als Kunstseide kennt. Leider knittert sie sehr schnell und behält schwer ihre Form. Kritiker sagen, dass die Herstellung des Stoffs sehr viel Energie benötigt und große Mengen an Chemikalien freisetzt.

Bessere Alternativen sind daher die Viskosestoffe Modal, Tencel oder Lyocell. Modal wird aus heimischen Buchen hergestellt. Wer auf nachhaltige Forstwirtschaft achtet, kann zu zertifiziertem Modal greifen. Lyocell-, auch Tencel-Fasern genannt, werden aus FSC-zertifiziertem südafrikanischem Eukalyptus produziert. Die Herstellung verzichtet komplett auf chemische Zusätze.

Die beste nachhaltige Alternative ist die Lenpur Viskose. Sie wird nur aus Zellulose von zurückgeschnittenen Bäumen hergestellt, sodass keine Bäume für die Stoffproduktion gefällt werden müssen. Die Produktion ist rein organisch und ohne chemische Zusätze. Die Lenpur Faser besitzt mit 99,8% eine höhere Naturreinheit als die oben genannte Baumwolle, und trotzdem die gleichen tollen Eigenschaften.

Polyester

Die meistproduzierte synthetische Faser ist Polyester. Für die Herstellung werden Säuren und Alkohol sowie Erdöl benötigt. Der Stoff ist leicht und elastisch, aber auch strapazierfähig. Aufgrund dieser praktischen Eigenschaften wurde Polyester zu einem sehr beliebtesten Stoff. Vor allem durch Mischung mit Naturfasern wie Baumwolle behält der Stoff besser die Form und knittert weniger. Auch in Sportbekleidung ist sie kaum wegzudenken, da sie reißfest ist und schnell trocknet.

Die Produktion ist jedoch hochgradig umweltschädlich. Es werden hohe Mengen an Chemikalien freigesetzt und sie basiert auf nicht nachwachsenden Erdöl. Hinzu kommt die hohe Belastung unserer Gewässer und Meere durch Mikroplastik, die beim Waschen der Polyesterkleidung freigesetzt wird. Winzige Plastikfasern lösen sich sowohl bei Stoffen aus 100% Polyester als auch bei Mischgewebe mit Baumwolle oder anderen Stoffen.  Weder die Waschmaschine noch die Kläranlage können sie aus dem Wasser filtern. Somit kommen sie über die Gewässer in die Meere oder über die Bewässerung der Felder ins Grundwasser und somit bei uns in den Nahrungskreis. Mikroplastik wurde mittlerweile in Leitungswasser, in Fischen und auch in unseren Körpern nachgewiesen. Weitere Tests folgen kontinuierlich. Die langfristigen Folgen sind völlig unklar.

Und wer glaubt, dass die Mikroplastik aus der Waschmaschine nur ein winziger Anteil ist, irrt. Bei Mischgewebe kommen ca. 140.000 Fasern ins Waschwasser, bei reinem Polyester sogar fast 500.000. Somit ist die Kleidungswäsche auf Platz 10 der größten Mikroplastikquellen, weit vor der Kosmetik (Quelle: Fraunhofer Institut).

Daher sollte man Polyester grundsätzlich meiden. Für alle, die bereits Kleidungsstücke mit Polyesterfasern im Schrank haben oder die nicht darauf verzichten wollen, werde ich in Kürze einen Artikel über eine super Lösung schreiben. Am besten gleich für den Newsletter anmelden und nicht verpassen!

Zusammenfassung

Es gibt leider wirklich viel zu beachten beim Kleidungskauf. Wer dachte, dass die Passform das größte Hindernis darstellt, der weiß es jetzt besser. Ich hoffe, ich habe euch trotzdem eine gute Übersicht über die einzelnen Stoffen und ihre Herstellung gegeben. Und vielleicht auch den einen oder anderen Tipp, zu welchen Stoffen man in Zukunft besser greifen sollte. Natürlich sollt ihr jetzt ihr auch weiterhin an euren Kleidungsstücke Spaß haben, selbst wenn sie zu 5% aus Polyester bestehen. Das wichtigste ist, dass ihr in Zukunft bewusster einkaufen geht und achtsamer auf das eine oder andere Kleideretikett schaut. Und wer sich gerne tiefer mit dem Thema beschäftigen möchte, der meldet sich am besten zu meinem monatlichen Newsletter an, in dem es immer spannende und im Alltag umsetzbare Tipps und Tricks zum Thema Nachhaltigkeit gibt.

Hier noch ein kleiner Disclaimer: Alle Informationen basieren auf von mir eingeholten Recherchen von vertrauensvollen Internetquellen. Ich kann jedoch weder den Anspruch auf Vollständigkeit, noch auf 100%ige Korrektheit erfüllen. Wenn sich der eine oder andere Fehler eingeschlichen hat oder wenn eine wichtige Info fehlt, freue ich mich sehr über ein Feedback per Mail oder in den Kommentaren. Ich arbeite ständig an meinen Beiträgen weiter und versuche, sie so aktuell wie möglich zu halten.

Liebe Grüße,

eure Jule

Stoffkunde Stoffe Materialien

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